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Textiler Mittelstand begreift Digitalisierung als Chance

Die ersten eineinhalb Projektjahre waren ein voller Erfolg: Das Mittelstand 4.0-Kompetenzentrum Textil vernetzt hat seit seinem Start im November 2017 rund 900 kleine und mittlere Unternehmen (KMU) mit mehr als 1 200 Mitarbeitern erreicht, die die Angebote des Netzwerks genutzt haben. Mit umfangreichen Unterstützungsleistungen informiert Textil vernetzt deutschlandweit kleine und mittlere Unternehmen der Textil- und Bekleidungsindustrie sowie des Textilmaschinenbaus. ...

„Ich bin sehr begeistert angesichts der hohen Nachfrage. Es zeigt sich, dass unsere Themen genau ins Schwarze treffen“, erklärt Anja Merker, Geschäftsführerin von Textil vernetzt. Nach der Eröffnung der themenspezifischen Schaufenster der Projektpartner Deutsche Institute für Textil- und Faserforschung (DITF) in Denkendorf, Hahn-Schickard in Stuttgart, Institut für Textiltechnik (ITA) in Aachen und Sächsisches Textilforschungsinstitut (STFI) in Chemnitz sowie des Showrooms in der Berliner Geschäftsstelle beim Gesamtverband textil+mode konnten Mittelständler aus knapp 300 Veranstaltungen verschiedenen Formats das für sie passende Angebot wählen. Im Mittelpunkt standen Führungen durch die Schaufenster sowie Unternehmergespräche, Messeauftritte und Informations-veranstaltungen. Darüber hinaus gehen die Partner konkrete Digitalisierungsprojekte gemeinsam mit den Unternehmen an.

Digitalisierung zum Anfassen

Ziel von Textil vernetzt ist es, den textilen Mittelstand fit zu machen für die Digitalisierung. Trotzdem der Innovationsgrad in der Branche bereits hoch ist, müssen die Unternehmen die vorhandenen Möglichkeiten noch stärker erschließen, um international wettbewerbsfähig zu bleiben. Anja Merker bestätigt: „Viele Verantwortliche haben erkannt, dass sie den digitalen Wandel gestalten müssen. Nur wissen sie oft nicht wie.“ Genau hier setzt Textil vernetzt an: Bundesweit, aber vor allem in den regionalen Schwerpunktzentren Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg, Sachsen und Thüringen bietet das Netzwerk seine Unterstützungsleistung an. Im Berliner Showroom und in den sogenannten Schaufenstern an den Standorten der Partner in Aachen, Chemnitz, Denkendorf und Stuttgart haben Mittelständler die Möglichkeit, „Digitalisierung zum Anfassen“ zu erleben und Anwendungen auszuprobieren. Dabei stehen die Schwerpunkte vernetzte Produktion, Einsatz von Assistenzsystemen, Mitarbeiterqualifizierung und smarte Sensorik im Mittelpunkt. Ergänzt wird das Angebot von Textil vernetzt durch das digitale durchgängige Engineering in den Bereichen Simulate, Print & Cut, Smart Textiles und textiler Leichtbau.

„Die Unternehmen müssen lediglich Zeit und die Bereitschaft mitbringen, erste oder weitere Schritte in Richtung Digitalisierung gehen zu wollen“, so Anja Merker. Der Kontakt zu den Unternehmen kommt oftmals über einen der Mitgliedsverbände von textil+mode. Laut Anja Merker „greifen die Unternehmer entweder zum Hörer oder kontaktieren uns ganz klassisch per Mail“. Verschiedene Fragestellungen kommen dabei auf, beispielsweise zur Warenschau oder zu Auftragsabwicklungsprozessen. Jedes Unternehmen hat einen individuellen Fokus, auf den die Partner eingehen. Der Bedarf wird in persönlichen Gesprächen und Firmenbesuchen ermittelt, wo sie mit Mitarbeitern sprechen und nicht selten Testreihen an den Maschinen fahren. In gemeinsamen Workshops kristallisiert sich anschließend heraus, welchen Weg das Unternehmen kurz- bis langfristig einschlagen will.

Effizienter dank digitaler Lösungen

Was kann ich optimieren? Welche digitalen Anwendungen sind für mein Unternehmen überhaupt sinnvoll? Diese Fragen stellte sich die mittelständische Zwirnerei Gruschwitz Textilwerke AG aus dem Allgäu. Ihr Bedarf lag in einem ganzheitlichen Fahrplan für das Unternehmen mit dem Fokus auf die Digitalisierung der Produktion. Die vier Textil vernetzt-Projektpartner erarbeiteten dazu eine Digitalisierungs-Roadmap. „Wir haben mit Gruschwitz einen Readiness-Check vorgenommen, um daraus Ergebnisse abzuleiten, was Digitalisierung für das Unternehmen leisten kann“, erklärt Dr. Karl-Peter Fritz von Hahn-Schickard. Im Nachgang formulierten die Projektpartner dann die entsprechenden nächsten Schritte. „Das war nur in enger Zusammenarbeit mit der Firma möglich“, so Alexander Artschwager von den DITF. Auf der Agenda des Unternehmens steht nun u. a. der Start eines Webshops, um Bestandskunden langfristig zu binden. Mit der Einführung eines neuen ERP-Systems sollen zwei ältere Systeme abgelöst und die Prozesse im Unternehmen weiter optimiert werden. Und auch bei der Aufrüstung einer Zwirn- und einer Spulmaschine mittels Sensorik plant Gruschwitz wieder auf die Expertise der Textil vernetzt-Partner zurückzugreifen.

Das Angebot von Textil vernetzt richtet sich aber auch an Unternehmen, die sich bislang noch nicht mit dem Thema Digitalisierung beschäftigt haben. „Wir wollen den Mittelständlern die Skepsis nehmen, dass die Einführung digitaler Lösungen immer aufwendig und komplex sein muss. Denn bereits kleinere Schritte können eine große Wirkung erzielen“, so Anja Merker. „Das zeigen wir mit unseren Roadshows direkt vor Ort.“ Dieses Format dient im wahrsten Sinne des Wortes der Begreifbarmachung von Digitalisierung. Anschauen und ausprobieren lautet das Motto. Sämtliche Angebote von Textil vernetzt sind für die Unternehmen kostenfrei. Geht es um Investitionen, haben Mittelständler die Möglichkeit, Förderprogramme und -kredite in Anspruch zu nehmen, die beispielsweise über die Kreditanstalt für Wiederaufbau, Landesbanken oder Wirtschaftsförderungen angeboten werden.

Digitalen Wandel als Chance begreifen

Die digitale Transformation birgt in nahezu allen Bereichen enorme Chancen: Unternehmen verfügen nicht nur über einen höheren Wettbewerbsvorteil, sondern können individuelle Kundenwünsche besser bedienen, da sie flexibler, schneller, ressourceneffizienter und damit auch kostengünstiger werden. Um- und Weiterdenken sind gefragt, denn technologische Innovationen und sich verändernde Kundenerwartungen erfordern neue Geschäftsmodelle. Seien Sie dabei.

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