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Konjunkturelle Eintrübung und Krise in der Bekleidungsindustrie bestimmen Auftakt der Tarifrunde 2019

Pressemitteilung des Gesamtverbandes textil+mode vom 06.12.2018

Verhandlungsführer Simon: „Brauchen moderaten, mittelstands-tauglichen Abschluss – Forderungen passen nicht in die Zeit.“

Darmstadt: Zum Auftakt der Tarifverhandlungen für die westdeutsche Textil- und Bekleidungsindustrie haben die Arbeitgeber die Forderungen der IG Metall als realitätsfern zurück-gewiesen. Markus Simon, Verhandlungsführer der Arbeitgeber: „Die mittelständischen Betriebe der deutschen Textilindustrie brauchen einen einfachen und praxisnahen Abschluss, der die konjunkturelle Abkühlung zur Kenntnis nimmt und die Beschäftigung sichert. Die Forderungen weisen in eine entgegengesetzte Richtung und schätzen die derzeitige wirtschaftliche Lage in der Branche völlig falsch ein.“

In der ersten Runde der Tarifverhandlungen wiesen die Arbeitgeber auf die globalen Eintrübungen der Konjunktur hin, die sich auch auf die Wirtschaftslage in Deutschland niederschlagen. So sind die Umsätze für die deutsche Bekleidungsindustrie in den ersten neun Monaten dieses Jahres um fünf   Prozent zurückgegangen. Auch beim bisherigen Zugpferd, den technischen Textilien, gibt es im gleichen Zeitraum Umsatzeinbußen von 2,9 Prozent. Auch die Aussichten für das kommende Jahr lassen keine Besserung erwarten. Im Gegenteil: Die Branche sieht durch immense Kostensteigerungen bei Rohstoffen, krisenhafte Entwicklungen in Europa und auf den Weltmärkten weitere Unsicherheiten auf sich zukommen. Zudem treibt die EEG-Umlage bei Strom die Kosten weiter in Rekordhöhe und lässt sich ebenso wie die anderen Kostenexplosionen aus Gründen des internationalen Wettbewerbs-drucks nicht auf die Preise umschlagen.

Irmgard Listl, Vize-Verhandlungsführerin der Arbeitgeber: „Rund 44 Prozent des Umsatzes erwirtschaftet unsere Branche im Export. Die von US-Präsident Trump angekündigten Strafzölle, die Handelskonflikte zwischen USA und China, krisenhafte Entwicklungen in wichtigen Schwellenländern, die zu unseren Absatzmärkten gehören, und der bevorstehende Brexit belasten unsere stark vom Export    abhängigen Unternehmen schwer.“

Den deutschen Herstellern von Bekleidung macht vor allem die Krise im deutschen Modeeinzelhandel zu schaffen. Das Sterben stationärer Einzelhändler und die Verschiebung Richtung Online-Handel  setzen der werte- und qualitätsorientierten deutschen Bekleidungsindustrie schwer zu. Eine ganze Reihe namhafter Unternehmen kämpft um die Existenz. Markus Simon: „Wer vor diesem Hintergrund 5,5 Prozent mehr fordert und Gespräche über mehr Altersteilzeit und mehr Urlaubstage führen will, ignoriert die Fakten. In vielen Regionen macht den Unternehmen der Arbeitskräftemangel zu schaffen, viele Ausbildungsplätze bleiben unbesetzt. Weitere Altersteilzeit- und ‚mehr Freizeit statt mehr Geld‘-Modelle sind ein Sprengsatz für die Betriebsabläufe in unseren mittelständischen Unternehmen. Nach Reallohn-steigerungen in den vergangenen Tarifrunden ist deshalb jetzt ein moderater Abschluss wichtig, der die Leistungen unserer Mitarbeiter schätzt, aber die Beschäftigung nicht gefährdet.“

Die deutsche Textilindustrie hat in den vergangenen vier Jahren wieder Beschäftigung aufgebaut und hat sich vor allem bei den technischen Textilien mit hochinnovativen Produkten und Verfahren zum Weltmarktführer entwickelt. Markus Simon: „Unsere Industrie will ihre technologischen Errungenschaften bei der Textilproduktion und bei Bekleidung, die weltweit von uns nach den höchsten Umwelt- und Sozialstandards hergestellt wird, nicht aufs Spiel setzen. Deshalb setzen wir auf konstruktive Gespräche mit der IG Metall, um am Ende einen Abschluss zu finden, mit dem wir gemeinsam textile Zukunft sichern. Nach dem heutigen ersten Austausch steht allerdings fest, dass der Weg dorthin diesmal besonders schwierig wird.“

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Verhandlungsführer Simon: „Brauchen moderaten, mittelstandstauglichen Abschluss – Forderungen passen nicht in die Zeit.“ Foto: © textil+mode / photothek

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