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Haftung für weltweite Lieferketten absurd

In einem Kommentar für die BDA Agenda sprach Ingeborg Neumann, Präsidentin des Gesamtverbandes der deutschen Textil- und Modeindustrie, über die Pläne des Entwicklungsministeriums für ein Lieferkettengesetz. ...

Es ist gerade mal ein paar Wochen her, da überraschte ein Lieferkettengesetz aus dem Entwicklungsministerium mit Vorschlägen, wie die Globalisierung in Zukunft gerecht zu gestalten sei. Manche Unternehmer staunten nicht schlecht, dass sie unter Androhung massiver Geldbußen und Haftstrafen persönlich für das Handeln Dritter irgendwo auf der Welt haften sollen, wenn es um die menschenrechtliche Sorgfalt geht. Dabei sind es gerade die deutschen Unternehmen, auch in der Bekleidungsindustrie, die weltweit die Standards heben und dort, wo sie nähen lassen, Vorreiter für faire Löhne und gegen Kinderarbeit sind. Jetzt aber auch noch für Dritte haften, auch in Ländern, deren Regierungen - vorsichtig formuliert - keine Vorreiter für Menschenrechte und die Bedingungen politisch mehr als schwierig sind? Selbst beim besten guten Willen, der uns deutschen Unternehmern nicht abgesprochen werden kann, sind solche Vorgaben nicht umzusetzen. Wie sind die Bedingungen in der Fabrik im Ausland, aus der der Knopf oder der Reißverschluss für die Hose kommt? Wie schaut es auf den Schiffen aus, die die Waren transportieren? Und kann ich für jedes Baumwollfeld Tausende Kilometer entfernt gerade stehen? Es mag auf den ersten Blick einfach klingen, die ganze Verantwortung rund um ein Produkt beim Unternehmer abzuladen. Doch erstens ist es rein praktisch einfach nicht umzusetzen und zweitens ein Abschreckungsprogramm für Auslandsinvestitionen der deutschen Wirtschaft. Wer auch immer sich die Haftungsregeln ausgedacht haben mag, ist fernab von jeder Erfahrung globaler Wertschöpfungsketten und weiß auch wenig darüber, welche Herausforderungen gerade Mittelständler im immer härter werdenden globalen Wettbewerb zu meistern haben. Warum ausgerechnet die Unternehmen mit Haftungsgesetzen in die Flucht geschlagen werden sollen, die weltweit führend sind, wenn es um die Einhaltung der Menschenrechte geht, bleibt deshalb für mich ein Rätsel. Kein Rätsel ist, dass die Globalisierung auf diese Weise jedenfalls kein bisschen gerechter gestaltet werden kann.

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Foto: © Gesamtverband textil+mode

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